Sommerpause
Urlaub fürs Gehirn
Liebe Leserinnen, Leser und sonstige Ermittlungsbehörden,
auch die unermüdlichsten Chronisten des Zeitgeschehens müssen gelegentlich ihre Tastaturen abkühlen, ihre Kaffeevorräte auffüllen und prüfen, ob die Sonne tatsächlich noch existiert. Deshalb verabschieden wir uns vorübergehend in die Sommerpause.
Der Alltag der Überzeugten
Von Menschen, die vieles kritisieren und vieles voraussetzen
07.06.2026 – Der sportliche Kfz-Meister Robert mit eigenem Betrieb fragt sich plötzlich, warum seine syrischen Gärtner in letzter Zeit ausschließlich die vereinbarten Leistungen erbringen und nicht mehr mit einem herzlichen Lächeln auf den Lippen zusätzliche Aufgaben übernehmen. Ähnlich ergeht es ihm im Krankenhaus: Trotz Privatversicherung hat er dort nur noch mit ausländischem Personal zu tun, das gleich wieder weg muss, weil es einen „Notfall“ gibt. Auch warum der indische IT-Dienstleister künftig nicht mehr für seinen Betrieb tätig sein möchte, kann sich Robert nicht erklären. Mit seinem öffentlichen Bekenntnis zur AfD in den Lokalmedien vor einigen Monaten dürfte das jedenfalls nichts zu tun haben.
Kulturkritik: Was hat SILBERFUX mit „Musik“ zu tun?
Die 2000er haben angerufen: Sie wollen ihre Gitarrenriffs zurück
Der Titel „Musik“ vom Indie-Künstler SILBERFUX ist eine Klasse für sich. Eine Unterklasse! Allein in den ersten Sekunden wird deutlich, warum es im gesamten vergangenen Jahrzehnt nicht zum Welterfolg gereicht hat. Wir starten mit einem Intro, das den traurigen Abgesang einer sterbenden Nachtigall mit Onkel Thorstens altem Roland E-20 vereint.
Kampf um Platz als Leitfossil
Zwei Urzeitwesen ringen um die Vorherrschaft in der fossilen Dinosaurierpartei (FDP)
Bei der fossilen Dinosaurier-Partei, kurz FDP, bewarben sich zuletzt zwei ausdauernde prähistorische humanoide Organismen um den Vorsitz….
Selbstironie und der erwachsene Umgang mit unbequemer Satire
Humorkunde – Lektion 2
Fast jeder kennt sie, die kleinen und großen Widersprüche zwischen öffentlicher Haltung und privatem Verhalten. Die meisten Menschen bemühen sich allerdings mit erstaunlicher Hingabe darum, diese möglichst unsichtbar zu halten. Etwa der deutsche Nationalfaschist, der seinen kulturellen Abwehrkampf regelmäßig mit türkischem Drehspießfleisch unterbricht. Oder die hochrangige Gewerkschafterin, die den Abend nach der Kapitalismuskritik entspannt mit Kaviar und Champagner im Vier-Sterne-Tagungshotel ausklingen lässt. Der Klimaaktivist wiederum fliegt zur internationalen Protestkonferenz einmal um den halben Planeten, während der marktradikale Großunternehmer bei der ersten wirtschaftlichen Schieflage nach staatlichen Milliardenhilfen ruft, um selbstverständlich nicht sich selbst, sondern „tausende Arbeitsplätze“ zu retten.
„Energiewende ja, aber bitte nicht hier!“
Wenn die Alltagsrealität mit der eigenen Moral kollidiert
Für eine umfangreiche Reportage zu den Themen Umwelt und Infrastruktur trafen wir uns vor etwa zwei Jahren mit dem politischen Aktivisten Stefan Scheinheilig in seinem gepflegten bürgerlichen Eigenheim in der niedersächsischen Gemeinde Gutmenschingen. Scheinheilig bemängelte, dass die regierenden Parteien in den vergangenen 30 Jahren deutlich zu wenig für den Klimaschutz getan und zudem wirtschaftliche Chancen ungenutzt gelassen hätten.
Arbeiten am Limit
Wenn Politiker wie Johannes Fechner von einer „90-Stunden-Woche“ sprechen, reagieren viele Bürger irritiert. Das liegt allerdings vor allem daran, dass der Durchschnittsdeutsche noch immer ein völlig rückständiges Verständnis von Arbeit hat. Für viele beginnt „harte Arbeit“ erst dann, wenn jemand bei Regen auf dem Bau steht, im Krankenhaus Nachtschicht schiebt oder sich im Einzelhandel acht Stunden lang von Kunden anschreien lässt, weil ihre 30-Cent-Coupons abgelaufen sind.
Deutschlands letzter Schutzwall gegen Produktivität
Warum Unternehmen auch weiterhin einen sicheren Abstand zu schwerbehinderten Arbeitnehmern wahren sollten
Jungunternehmer, Selfmade-Genies und Erben industrieller Produktionsstätten haben es heutzutage schwer wie nie, ausreichend Sicherheitsabstand zwischen sich, ihre Belegschaft und Menschen mit schweren Behinderungen zu bringen. Für Betriebe mit über 20 Mitarbeitern steigt die sogenannte Ausgleichsabgabe immer weiter an – man könnte sagen: ins Unermessliche.
Deutschland ist verloren
Chronik eines beispiellosen Leidens
Deutschland steht kurz vor dem Kollaps. Nicht militärisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich — nein, schlimmer: emotional. Das Volk ist erschöpft. Man spürt es an der gereizten Stimmung im SUV-Stau vor dem Biomarkt und an den wütenden Kommentaren unter Facebook-Artikeln über Wärmepumpen.
Während irgendwo auf der Welt Menschen verhungern oder vor Bomben fliehen, kämpfen wir hierzulande die wirklich harten Kämpfe: steigende Schnitzelpreise, verspätete Amazon-Lieferungen und die quälende Frage, ob man sich diesen Sommer nur zweimal Griechenland leisten kann.
Mit Cyberstalking vor Cyberstalking schützen
Angriff ist die beste Verteidigung
Kennen Sie diese Menschen, die sich nach Jahren plötzlich wieder für Sie interessieren? Ehemalige Mitschüler, Ex-Kollegen oder entfernte Bekannte, die eines Abends beim doomscrollenden Verfall ihrer Persönlichkeit kurz über Ihr Profil stolpern und sich denken: „Ach guck mal, den gibt’s ja auch noch.“ Und dann passiert das Unfassbare. Sie schauen sich öffentlich zugängliche Inhalte an, die Sie selbst seit acht Jahren täglich ins Internet kippen.
Der älteste überlieferte Witz und Radio Eriwan
Humorkunde – Lektion 1
Nachdem erste negative Reaktionen auf meinen Artikel zur Eigenverantwortung psychisch Kranker eingegangen sind, scheint mir der Zeitpunkt gekommen, einen kleinen Beitrag zur allgemeinen Bildung im Fach Humorkunde zu leisten. Offenbar besteht hier gesellschaftlicher Nachholbedarf. Beginnen wir also dort, wo jede Wissenschaft beginnt: bei den Grundlagen.
Kulturkritik: „Halt dein Maul“
Bob & Daisy, Evelyn Weigert und Tom Beck singen über die Ästhetik des Verstummens in modernen Diskussionsräumen
„Halt dein Maul“ von Bob & Daisy, Evelyn Weigert und Tom Beck lässt sich als bemerkenswert konsequente Verdichtung zeitgenössischer Kommunikationsästhetik lesen, deren eigentliche Raffinesse gerade in der scheinbaren Primitivität ihres Ausdrucks liegt. Der Song entwickelt seine Wirkung nicht durch argumentative Vielschichtigkeit, sondern durch die fast asketische Konzentration auf einen einzigen Imperativ, der mit einer Entschlossenheit vorgetragen wird, die an klassische Formen autoritativer Rhetorik erinnert.
Psychische Erkrankungen sind Ausreden
Betroffene stehlen sich aus ihrer Eigenverantwortung
Viele erzählen dabei von ihren ach so traumatischen Erfahrungen in der Kindheit oder von ihren angeblich fast tödlichen körperlichen Erkrankungen. Na und? Die haben wir alle! Wenn du mir also erzählst, dass du aufgrund eines gewalttätigen Elternhauses und schwer zu behandelnder Tumoren wiederkehrende depressive Episoden hast behandeln lassen müssen, dann kann ich dir nur sagen, dass auch bei mir nicht immer alles rosig war.
Zum Beispiel hat Stefan mich mit dreieinhalb mal vom Bobbycar geschubst …
MIT-Forscher tüfteln an Nachrichten in die Vergangenheit
Deutschland hofft vor allem auf eine rechtzeitige Warnung vor schlechten Samstagabendshows
Die Menschheit steht offenbar extrem kurz vor außergewöhnlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die nicht nur unser Zusammenleben, sondern gleich unsere gesamte Gegenwart und Vergangenheit beeinflussen könnten. Glauben Sie nicht? Das werden Sie schon sehen. Denn das MIT in Boston forscht derzeit mit höchster Akribie und vollkommener Ironiefreiheit daran, wie man Nachrichten in die Vergangenheit schicken könnte. Zumindest beschreibt das der Journalist Luka Markovic in seinem Focus-Online-Artikel.