Sommerpause
Urlaub fürs Gehirn
Liebe Leserinnen, Leser und sonstige Ermittlungsbehörden,
auch die unermüdlichsten Chronisten des Zeitgeschehens müssen gelegentlich ihre Tastaturen abkühlen, ihre Kaffeevorräte auffüllen und prüfen, ob die Sonne tatsächlich noch existiert. Deshalb verabschieden wir uns vorübergehend in die Sommerpause.
Kulturkritik: Was hat SILBERFUX mit „Musik“ zu tun?
Die 2000er haben angerufen: Sie wollen ihre Gitarrenriffs zurück
Der Titel „Musik“ vom Indie-Künstler SILBERFUX ist eine Klasse für sich. Eine Unterklasse! Allein in den ersten Sekunden wird deutlich, warum es im gesamten vergangenen Jahrzehnt nicht zum Welterfolg gereicht hat. Wir starten mit einem Intro, das den traurigen Abgesang einer sterbenden Nachtigall mit Onkel Thorstens altem Roland E-20 vereint.
Selbstironie und der erwachsene Umgang mit unbequemer Satire
Humorkunde – Lektion 2
Fast jeder kennt sie, die kleinen und großen Widersprüche zwischen öffentlicher Haltung und privatem Verhalten. Die meisten Menschen bemühen sich allerdings mit erstaunlicher Hingabe darum, diese möglichst unsichtbar zu halten. Etwa der deutsche Nationalfaschist, der seinen kulturellen Abwehrkampf regelmäßig mit türkischem Drehspießfleisch unterbricht. Oder die hochrangige Gewerkschafterin, die den Abend nach der Kapitalismuskritik entspannt mit Kaviar und Champagner im Vier-Sterne-Tagungshotel ausklingen lässt. Der Klimaaktivist wiederum fliegt zur internationalen Protestkonferenz einmal um den halben Planeten, während der marktradikale Großunternehmer bei der ersten wirtschaftlichen Schieflage nach staatlichen Milliardenhilfen ruft, um selbstverständlich nicht sich selbst, sondern „tausende Arbeitsplätze“ zu retten.
Deutschland ist verloren
Chronik eines beispiellosen Leidens
Deutschland steht kurz vor dem Kollaps. Nicht militärisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich — nein, schlimmer: emotional. Das Volk ist erschöpft. Man spürt es an der gereizten Stimmung im SUV-Stau vor dem Biomarkt und an den wütenden Kommentaren unter Facebook-Artikeln über Wärmepumpen.
Während irgendwo auf der Welt Menschen verhungern oder vor Bomben fliehen, kämpfen wir hierzulande die wirklich harten Kämpfe: steigende Schnitzelpreise, verspätete Amazon-Lieferungen und die quälende Frage, ob man sich diesen Sommer nur zweimal Griechenland leisten kann.
Der älteste überlieferte Witz und Radio Eriwan
Humorkunde – Lektion 1
Nachdem erste negative Reaktionen auf meinen Artikel zur Eigenverantwortung psychisch Kranker eingegangen sind, scheint mir der Zeitpunkt gekommen, einen kleinen Beitrag zur allgemeinen Bildung im Fach Humorkunde zu leisten. Offenbar besteht hier gesellschaftlicher Nachholbedarf. Beginnen wir also dort, wo jede Wissenschaft beginnt: bei den Grundlagen.
Kulturkritik: „Halt dein Maul“
Bob & Daisy, Evelyn Weigert und Tom Beck singen über die Ästhetik des Verstummens in modernen Diskussionsräumen
„Halt dein Maul“ von Bob & Daisy, Evelyn Weigert und Tom Beck lässt sich als bemerkenswert konsequente Verdichtung zeitgenössischer Kommunikationsästhetik lesen, deren eigentliche Raffinesse gerade in der scheinbaren Primitivität ihres Ausdrucks liegt. Der Song entwickelt seine Wirkung nicht durch argumentative Vielschichtigkeit, sondern durch die fast asketische Konzentration auf einen einzigen Imperativ, der mit einer Entschlossenheit vorgetragen wird, die an klassische Formen autoritativer Rhetorik erinnert.
Psychische Erkrankungen sind Ausreden
Betroffene stehlen sich aus ihrer Eigenverantwortung
Viele erzählen dabei von ihren ach so traumatischen Erfahrungen in der Kindheit oder von ihren angeblich fast tödlichen körperlichen Erkrankungen. Na und? Die haben wir alle! Wenn du mir also erzählst, dass du aufgrund eines gewalttätigen Elternhauses und schwer zu behandelnder Tumoren wiederkehrende depressive Episoden hast behandeln lassen müssen, dann kann ich dir nur sagen, dass auch bei mir nicht immer alles rosig war.
Zum Beispiel hat Stefan mich mit dreieinhalb mal vom Bobbycar geschubst …
Kulturkritik: „Aramsamsam“ von Lichterkinder
Die Dialektik rhythmischer Kollektivsubjektivierung
Das Lied „Aramsamsam“ in der modernen Version vom Ensemble Lichterkinder erscheint oberflächlich wie harmlose Kinderunterhaltung. Tatsächlich offenbart sich bei näherer hermeneutischer Betrachtung jedoch ein bemerkenswert präzises Abbild spätmoderner innergesellschaftlicher Kommunikationsmechanismen. Bereits die zentrale Lautfolge „Aram sam sam“ verweigert sich konsequent klassischer Semantik.
„Mann“ – ein Auslaufmodell?
Die Nachfrage sinkt weltweit drastisch
Immer weniger Frauen entscheiden sich heute für die langfristige Anschaffung eines Mannes. Die Gründe liegen auf der Hand: zu hohe emotionale Betriebskosten, erheblicher Wartungsaufwand und ein enttäuschend niedriger romantischer wie familienökonomischer Output.