MIT-Forscher tüfteln an Nachrichten in die Vergangenheit
Deutschland hofft vor allem auf eine rechtzeitige Warnung vor schlechten Samstagabendshows
Die Menschheit steht offenbar extrem kurz vor außergewöhnlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die nicht nur unser Zusammenleben, sondern gleich unsere gesamte Gegenwart und Vergangenheit beeinflussen könnten. Glauben Sie nicht? Das werden Sie schon sehen. Denn das MIT in Boston forscht derzeit mit höchster Akribie und vollkommener Ironiefreiheit daran, wie man Nachrichten in die Vergangenheit schicken könnte. Zumindest beschreibt das der Journalist Luka Markovic in seinem Focus-Online-Artikel.
Natürlich schießen einem als Normalsterblichem sofort tausende Gedanken durch den Kopf, wie man traumatische historische Ereignisse verhindern und die Gegenwart zum Positiven verändern könnte. Beispielsweise könnte man Stauffenberg detaillierte Instruktionen geben, damit er das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 erfolgreich zu Ende bringt. Man könnte die Katastrophenschutzbehörden in Südostasien warnen, dass im Dezember 2004 ein gigantischer Tsunami 85 Kilometer vor der Küste Sumatras entstehen würde. Man hätte zumindest 2024 RTL davor warnen können, sich einen abgehalfterten Entertainer ans Bein zu binden, der die Bevölkerung mit immer absurderen Showkonzepten drangsaliert.
Doch vermutlich überschätzen wir die Menschheit mal wieder maßlos. Denn seien wir ehrlich: Sobald die erste funktionierende Zeitnachricht verschickt werden kann, wird sie kaum dazu genutzt werden, Kriege zu verhindern oder den Klimawandel zu stoppen. Wahrscheinlicher wäre eine Nachricht wie: „Kauf Bitcoin!“ oder „Nimm in der 9. Klasse niemals Rebecca aus der Parallelklasse mit ins Kino.“
Deutsche Behörden dürften jedenfalls enormes Interesse an der Technologie entwickeln. Die Deutsche Bahn hätte sich beispielsweise schon Ende der Neunziger selbst mitteilen können, dass „digitale Infrastruktur“ mehr bedeutet als ein Windows-95-Rechner im Pausenraum.
Besonders gefährlich wäre die Technologie allerdings für Fußballfans. Anhänger von Hannover 96 würden vermutlich seit Jahren versuchen, dem Verein aus der Zukunft den entscheidenden Hinweis zu schicken, wie man eine Saison zur Abwechslung mal stabil zu Ende bringt.
Privat würde die Menschheit die Möglichkeiten definitiv konsequent verschwenden. Statt wissenschaftlicher Durchbrüche gäbe es vor allem Warnungen wie: „Bestell niemals den Thunfisch-Auflauf in der Hotelanlage auf Mallorca“ oder „Sag 2016 bloß nicht: ,Was soll schon passieren?‘“
Am Ende bleibt ohnehin die entscheidende Frage: Wenn es irgendwann möglich sein wird, Nachrichten in die Vergangenheit zu senden, warum hat uns aus der Zukunft bisher niemand gewarnt? Entweder funktioniert die Technologie niemals oder die Menschen der Zukunft haben beschlossen, dass man eine Gesellschaft, die freiwillig Temu-Werbung anklickt und Burger mit Blattgold belegt, schlicht nicht mehr retten kann.
Beides klingt erschreckend realistisch.
Inspiration / Quelle: https://www.focus.de/wissen/forscher-untersuchen-neuen-weg-um-nachrichten-in-die-vergangenheit-zu-schicken_4b1145f7-0032-46b8-bfed-753b916aa933.html
Foto von Jiyeon Park auf Unsplash