Psychische Erkrankungen sind Ausreden
Betroffene stehlen sich aus ihrer Eigenverantwortung
Viele erzählen dabei von ihren ach so traumatischen Erfahrungen in der Kindheit oder von ihren angeblich fast tödlichen körperlichen Erkrankungen. Na und? Die haben wir alle! Wenn du mir also erzählst, dass du aufgrund eines gewalttätigen Elternhauses und schwer zu behandelnder Tumoren wiederkehrende depressive Episoden hast behandeln lassen müssen, dann kann ich dir nur sagen, dass auch bei mir nicht immer alles rosig war.
Zum Beispiel hat Stefan mich mit dreieinhalb mal vom Bobbycar geschubst oder meine antiautoritären Eltern haben mir mal die Teilnahme an der Geburtstagsfeier meiner Sandkastenfreundin Steffi verweigert. Trotz dessen reiße ich mich wenigstens zusammen und arbeite, während du rumjammerst, dass dein Vater dich betrunken immer verprügelt hat. Und von meiner Pollenallergie lasse ich mich auch nicht so runterziehen, wie du dich von deinen paar Tumörchen.
Dein Kumpel erzählt auch immer sehr empfindlich und weinerlich von seinen „Bürden“. Gewalt in der Schule, schwere Herzprobleme, zig Anschlussdiagnosen, das übliche Paket aus Diagnostik-Marathon und Beinahe-Erblindung. Der ganze Katalog. Das ist immer noch kein Grund sich mit „weichen“ Drogen aus der Realität zu schießen. Charakterliche Defizite lassen sich im Nachhinein natürlich prima begründen, wenn man sich immer auf seine Schutzinsel der drogeninduzierten Psychose zurückziehen kann.
Ganz ehrlich, ich hatte auch keine leichte Schulzeit. Herr Müller hatte mich immer auf dem Kieker und mir mal mit einer 2 in Geschichte meinen Einserschnitt versaut. Und ja, auch ich weiß, wie es ist, wenn man sich mal nicht gut fühlt und dann als Reaktion zu Substanzen greift. Zum Beispiel esse ich immer ganz viel Schokolade, wenn ich traurig bin. Das alles ist aber trotzdem keine Entschuldigung dafür, das Gesundheitssystem zu belasten, Bekannte griesgrämig abzuwimmeln und unproduktiv zu sein.
Foto von Valeriia Miller auf Unsplash