Arbeiten am Limit
Wenn Politiker wie Johannes Fechner von einer „90-Stunden-Woche“ sprechen, reagieren viele Bürger irritiert. Das liegt allerdings vor allem daran, dass der Durchschnittsdeutsche noch immer ein völlig rückständiges Verständnis von Arbeit hat. Für viele beginnt „harte Arbeit“ erst dann, wenn jemand bei Regen auf dem Bau steht, im Krankenhaus Nachtschicht schiebt oder sich im Einzelhandel acht Stunden lang von Kunden anschreien lässt, weil ihre 30-Cent-Coupons abgelaufen sind.
Deutschland ist verloren
Chronik eines beispiellosen Leidens
Deutschland steht kurz vor dem Kollaps. Nicht militärisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich — nein, schlimmer: emotional. Das Volk ist erschöpft. Man spürt es an der gereizten Stimmung im SUV-Stau vor dem Biomarkt und an den wütenden Kommentaren unter Facebook-Artikeln über Wärmepumpen.
Während irgendwo auf der Welt Menschen verhungern oder vor Bomben fliehen, kämpfen wir hierzulande die wirklich harten Kämpfe: steigende Schnitzelpreise, verspätete Amazon-Lieferungen und die quälende Frage, ob man sich diesen Sommer nur zweimal Griechenland leisten kann.
Die Taliban kommen dienstlich
Warum moralische Standards manchmal abgeschoben werden
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt lässt die Zusammenarbeit seiner Behörde mit „Taliban-Diplomaten“ intensivieren, um weitere Abschiebungen zu ermöglichen. Von „Taliban-Diplomaten“ ist zumindest in einem Artikel auf tagesschau.de die Rede, auch wenn die Formulierung „diplomatische Taliban“ ungefähr derselben sprachlogischen Kategorie angehört wie Begriffe à la „lebensfrohe Leiche“ oder „vertrauenswürdiger Trickbetrüger“.