Sachsen-Anhalt entdeckt Vorteile der Abschottung

Wie man mit der AfD Fachkräfte loswird, Investoren vergrault und dabei das gute Gefühl hat, endlich wieder unter sich zu sein

Endlich bekommt Sachsen-Anhalt wieder ein Image, bei dem man als Bäckermeister ungestört seine Brötchen backen kann, ohne dass einem pausenlos ausländische Auszubildende und Gesellen unter die Arme greifen wollen. Müssen die denn unbedingt hier das BIP steigern? Können die das nicht einfach woanders tun? Am besten weit weg, wo es niemanden stört?

Genauso ist es mit diesen internationalen Firmen, die sich in Magdeburg, Halberstadt, Bernburg oder in der Region Weida-Land niederlassen wollten. Als ob man hier auf Arbeitsplätze, Gewerbesteuer und Infrastrukturinvestitionen angewiesen wäre. Als echter Deutscher erwirtschaftet man sich seine Armut noch selbst. Das hat ja auch den Vorteil, dass man sich an weniger gewöhnen muss.

Und überhaupt: Dieser ganze Protektionismus hat doch einen hervorragenden Ruf. Zumindest dann, wenn man konsequent ignoriert, dass er kurzfristig Einnahmen kostet, mittelfristig Investitionen verhindert und langfristig ganze Regionen wirtschaftlich abhängt. Aber wer denkt schon in solchen Kategorien, wenn man stattdessen Prinzipien haben kann?

Und diese Universitäten erst. Voll mit Studenten und Professoren, die forschen, eruieren und sich anmaßen, komplexe Zusammenhänge erklären zu können. Da kann man schon verstehen, dass das stört. Wirklich frei wird die Wissenschaft schließlich erst, wenn klar geregelt ist, was gedacht werden darf und was besser nicht. Orientierung ist schließlich wichtiger als Erkenntnis.

Am Ende bleibt ein Standort, der sich wohltuend von der hektischen, globalisierten Realität abkoppelt. Weniger Investoren, weniger Einfluss von außen, weniger Störungen durch neue Ideen. Stattdessen herrscht bald vollumfängliche Inkomplexität ... während ihre Stützbalken langsam abbrennen. Genial.

Foto von Julia Taubitz auf Unsplash

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